Aus dem Vorstand
Studentische Ideenwettbewerbe
Mit dieser Thematik setzte sich der VAA-Vorstand in seiner letzten Sitzung auseinander. Hochschulen und Studenten sind wertvolle Ideenquellen für öffentliche und gewerbliche Auftraggeber geworden weil sie sich leicht mit wenig Preisgeld locken und anspornen lassen. In Deutschland, so ist zu beobachten, werden immer mehr solche Wettbewerbe durchgeführt.
Was sind Ideen wert?
Jedes Jahr messen sich Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Hochschulen an solchen Wettbewerben. Das sind wertvollste Ideenbörsen für die Auftraggeber. Ein solcher Gedanke lag z.B. auch in einer Stadt zugrunde, die sich durch Studierende Ideen für die zukünftige Entwicklung eines Stadtteils für ganze 1.000.-€ Preisgelder liefern ließ. Oder eine große Einzelhandelskette die sich Ideen und Impulse für die zukünftigen Ausstattungen ihrer Geschäftslokale hat liefern lassen von denen sie nach Eigenaussage noch lange zehren werde. Auch der kürzlich ausgetragene Wettbewerb eines Energieriesen für die Nachnutzung eines stillgelegten Kraftwerkes versucht die Kreativität und den Ideenreichtum der Studierenden auf preiswerte Art für sich nutzbar zu machen. Ideen, die scheinbar bei geregelten Wettbewerben zu teuer ein zukaufen sind.
Was wird aus Absolventen?
Es ist nicht so, dass diese Auftraggeber dann Absolventen sofort in ihre Reihen aufnehmen. Sie rühmen sich damit, dass siegreiche Studententeams nunmehr Referenzen eines hochklassigen Kunden aufweisen könnten. Mehr ist nicht drin. Von einem Start ins Berufsleben bei diesen Ideensammlern ist nicht mehr die Rede. Ein weiteres Indiz, dass Studierende nur solange für diese Auftraggeber von Interesse sind, zeigen letzte Presseveröffentlichungen. Architekten müssen darben, heißt es hier. Berufseinsteiger werden als „ Billigheimer “ bezeichnet, die mit einem niedrigen Anfangseinkommen von durchschnittlich 1000.- bis 1500.- € Brutto auskommen sollen, wenn sie denn überhaupt in Vollzeit angestellt werden.
Die „Idee“ ist ein sehr wertvolles Berufsgut
welches nach Auffassung des VAA- Vorstandes nicht verschleudert werden sollte.Die Notwendigkeit einer Differenzierung von Realisierungswettbewerben und Ideenwettbewerben sollte auch aus Gründen einer missbräuchlichen Verwendung in Frage gestellt werden. In einer Zeit, wo politische Kreise ernsthaft nachdenken, die neue HOAI auf den Kernbereich der „geistig schöpferischen Leistung“ zu reduzieren, muss die Idee wertstelliger angesehen werden. Studentenwettbewerbe, wie oben beschrieben, mit Minipreisgeldern oder „Gutscheinen“ dotiert, dienen nach Ansicht des VAA-Vorstandes, nicht wie vielfach angeführt, einem praxisorienten Studium, sondern haben einen anderen Charakter. Diese entwerten nicht nur den Begriff Idee, sondern gefährden auch Arbeitsplätze.
Keine wirtschaftliche Nutzung
Grundsätzlich befürwortet der VAA-Vorstand das Instrument Studentenwettbewerb als wichtigen Baustein eines praxisorientierten Studiums. Die Ergebnisse jedoch sollten ausschließlich dem Studium und nicht dem wirtschaftlichen Nutzen der Auftraggeber dienen. Weiterhin wurden im Vorstand die bestehenden unbefriedigenden Urheberschutzregelungen im Rahmen von RAW/GRW- Wettbewerbsverfahren erörtert aber noch nicht abschließend behandelt. Hier sieht der VAA-Vorstand für die Zukunft weiteren Verbesserungsbedarf.
AK 1
Reiner Fuest
02.09.2006
Warum das Engagement angestellter Architektinnen und Architekten in der VAA und für die AKNW unverzichtbar ist.
Reiner Fuest
„Ich bin nur ein Angestellter Architekt“
mit diesen Worten präsentierte sich vor mehr als zwei jahrzehnten ein Kollege im Rahmen einer Vorstellungsrunde während einer Veranstaltung. Ein gewisser Mangel an Selbstbewusstsein war damals unter angestellt tätigen durchaus verbreitet.
Für mich war das einer der Gründe, warum ich mich als angestellter Architekt verstärkt der Berufspolitik, zunächst in Verbandtätigkeiten, später auch in der Gremienarbeit unserer Architektenkammer zugewandt habe.
Es war damals wie heute immer noch meine Meinung und mein Ansinnen das in unserem pluralistischen Kammerwesen mit den vielschichtigen Tätigkeitsarten und Fachrichtungen jede mit Kompetenz und Selbstbewusstsein, stets im Sinne der Gesamtheit der Architektenschaft bei den Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen in den Organen der Architektenkammer mitwirken und auch mitbestimmen sollte.
Bedeutung des Angestellten- und Beamtenbereiches
Der Angestellten- und Beamtenbereich stellt heute über die Hälfte der Mitglieder und ist damit eine der tragenden Säulen der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen- und zwar in allen Fachrichtungen und Tätigkeitsarten. Auch die gute Beteiligung dieser Kolleginnen und Kollegen bei der letzten Vertreterversammlungswahl 2005 zeigt ein hohes Maß an Identifikation und Verbundenheit zu unserer Architektenkammer. Angestellte und Beamte leisten mit einem Anteil von 2/3 des Beitragsaufaufkommens im Versorgungswerk der AKNW und damit den einen wesentlichsten Beitrag zur Stabilität des Versorgungswerkes der AKNW und zur Alterssicherung aller Architektinnen und Architekten in unserem Land. Diese Fakten und Zahlen belegen und dokumentieren die hohe Wertigkeit und Bedeutung dieser Berufsgruppe innerhalb unserer Kammer.
Kein Desinteresse
Dennoch hat auch die letzte Wahl wieder aufgezeigt :
Es ist nach wie vor schwierig und wird sicherlich zukünftig noch schwerer werden für die ehrenamtliche Arbeit in den Verbänden und den Gremien der Architektenkammer und Mitwirkende aus dem Angestellten Bereichen zu gewinnen. Es ist jedoch kein Desinteresse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Das Kandidatenverhältnis zum Beispiel bei der Wahl, von insgesamt 431 aufgestellten Kandidatinnen und Kandidaten kamen nur knapp 38 % aus dem Angestellten/Beamtenbereich, zeigt, das viele aus dem sogenannten „abhängig beschäftigten Bereich“ sich Hemmnissen gegenübersehen, die Übernahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit erschweren oder unmöglich machen.
Das gilt insbesondere für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die sich im Beruf noch bewähren und etablieren müssen.
Ob nun in der freien Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst tätig, vielfach sehen sich die Kolleginnen und Kollegen gerade heute einem alles umfassenden Dogma einer ausschließlich betriebswirtschaftlichen Effizienz ihrer Arbeitsleistung ausgesetzt .Sie werden teilweise unter dem neudeutschen Begriff „Humankapital“ als menschliche Produktivkraft eingeordnet.
Da bleibt für Viele kein großer Freiraum mehr für Arbeiten und Leistungen für das Gemeinwohl, auch kein Freiraum für Arbeit in den Architektenverbänden oder wie für eine Institution wie die AKNW, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltungsorganen als die gesetzliche Vertretungen aller Architektinnen/Architekten und Stadtplanerinnen/Stadtplaner eingerichtet worden ist. Schwierig wird es vor allen Dingen dann, wenn diese Tätigkeiten während der Regelarbeitszeit stattfinden. Deshalb ist es nur durch Verständnis und Wohlwollen von Seiten einzelner Arbeitgeber allein nicht mehr getan.
Verbesserung der Rahmenbedingungen
Es sollte für die Zukunft für uns Alle gelten dafür einzutreten die Rahmenbedingungen für alle ehrenamtlichen Aufgaben gerade im Sinne des Gemeinwohls in unserer Gesellschaft zu verbessern. Eine Politik, die in jüngster Zeit vermehrt wieder an den Gemeinsinn der Bürger appelliert, ist dann aber auch gefordert diesen Aufrufen konkrete Taten folgen zu lassen und die Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Tätigkeiten deutlich zu verbessern.
Nur so wird es in der Zukunft möglich sein, dass die Bedeutung und die Vielfältigkeit des Angestellten- und Beamtenbereiches sich nicht nur in der Kammerstatistik sondern auch in den ehrenamtlich besetzten Organen widerspiegelt. Die grundsätzliche Bereitschaft sich in dem Selbstverwaltungssystem der AKNW zu engagieren ist bei vielen unserer angestellten und beamteten Kolleginnen und Kollegen ebenso vorhanden wie bei vielen Freischaffenden.
Die VAA wie auch die Architektenkammer, die selbstverwaltete gesetzliche Interessenvertretung unseres gesamten Berufstandes, benötigt weiterhin die engagierte Mitwirkung, die Kompetenz und den Sachverstand angestellter Kolleginnen und Kollegen für die Bewältigung der vor uns liegenden schwierigen Aufgaben. Die Grundlagen dazu schaffen wir in unserer gemeinsamen Arbeit in den Arbeitskreisen und Gremien der VAA. Ich möchte Sie als Angestellte Kollegin und Kollege dazu ermuntern hier Ihre Kompetenz und Sachverstand in unser aller Sinne der VAA zur Verfügung zustellen.
Ich bin mir sicher: wenn es gelingt, wenn alle Kräfte intensiv und engagiert im Sinne unseres gesamten Berufstandes handeln und dafür selbstbewusst und im gegenseitigem Respekt gemeinsam eintreten, wird sich das mittel- und langfristig auszahlen- für die Architektenschaft wie auch für die gesamte Gesellschaft.
Reiner Fuest
VAA- Vorsitzender
und Vize-Präsident AKNW
10.09.2006

